Abstieg zum Cottonwood Campground
Am nächsten Morgen lassen wir uns zunächst Zeit. Wir frühstücken Cereals, bauen das Zelt ab und packen die Rucksäcke, bzw. Manuel sein „Rucksäckchen“. Bereit für den Abstieg checken wir gegen 11 Uhr vom Campground aus und parken das Auto am Trailhead des North-Kaibab-Trails. Von dort geht es dann los. Der Wanderweg ist für unsere Verhältnisse nach den Erfahrungen mit der Subway und der Wave zwar sehr gut zu erkennen und Verlaufen ist praktisch ausgeschlossen, teilweise sind die Stufen und Beläge allerdings äußerst unangenehm zu laufen. Insbesondere den Knien wird unter der Last des Rucksackes einiges abverlangt, und auch die Zehen stoßen in den steilen Passagen häufig gegen die Schuhe. Besonders Johannes wird die Folgen noch zu spüren bekommen.
Zudem ist es noch sehr heiß, so dass wir uns auf eine ordentliche Anstrengung gefasst machen. Im Vergleich zur letzten Wanderung kommen uns ganze Heerscharen entgegen, die meisten jedoch nur mit leichtem Gepäck auf einer Tagestour unterwegs. Wir steigen Stück für Stück tiefer in den Canyon ein, und erkennen schon bald nicht mehr, wo wir gestartet sind.
Gegen 14 Uhr erreichen wir Roaring Springs. Hier ergießen sich etliche Quellen in kleinen Wasserfällen in den Roaring-Springs-Creek, und an den kargen Wänden des Grand Canyons erinnert der Anblick an eine Oase. Wir lassen uns Zeit, ziehen die Wanderschuhe aus und lassen die Seele und die Füße baumeln. Manuel und Johannes lesen, Jens erkundet ein bisschen die Gegend. Roaring Springs scheint leider nicht mehr ganz der heile-Welt-Fleck zu sein, den wir in Erinnerung hatten. Das Wasser steht auch an den verschiedenen Stellen nicht mehr so hoch und ist häufig schon recht modrig. Dennoch verbringen wir locker zwei Stunden im Schatten der Bäume. Bevor es weitergeht will Jens noch schnell auf eines der im Canyon weit verbreiteten Kompost-Klos, als er durch ein merkwürdiges Klappern aus seinen Gedanken gerissen wird. Vor ihm, halb auf dem Weg liegt eine Klapperschlange und klappert.
Nach tiefem Durchatmen und zwei Schritten zurück ruft er die anderen, die das ganze auch fotografisch festhalten. Die Schlange zieht sich langsam zurück ins Gebüsch, zeigt sich uns aber vorher noch allen von der Längsseite. Recht aufgedreht von dieser Begegnung setzen wir dann unsere Wanderung fort. Die folgenden 2 Meilen bis zum Cottonwood Campground liegen vollständig im Schatten und sind nicht mehr anspruchsvoll. Der Campground ist sehr einfach, es gibt lediglich zwei Kompostklos und ein Ranger-Häuschen, also kein fließend Wasser. Manuel wäscht sich ein bisschen im Creek, die anderen tun so, als seien sie sauber.
Die nette Rangerin kontrolliert unser Permit und weist uns in ein paar Grundlagen des Canyon-Wanderns ein, die aber nicht sonderlich neu für uns sind. Die Arme bekommt dauernd Hustenanfälle, was wohl mit dem Rauch der vergangenen Wochen zusammenhängt. Die kontrollierten Feuer an der North Rim müssen wohl noch um einiges stärker gewesen sein.
Als Höhepunkt des Abends machen wir das erste mal unsere in Vegas gekauften gefriergetrocknete Trekking-Nahrung, und wir sind eigentlich alle überrascht, wie lecker so etwas sein kann, wenn man Hunger hat. Johannes und Jens bewundern noch gegenseitig ihre Blasen, insbesondere an den kleinen Zehen, bevor wir recht früh im Zelt verschwinden. Jens guckt noch ein paar Sterne, aber durch den Rauch sieht man weniger, als erwartet.
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