Aufstieg zur South Rim und Shuttle zurück
Bevor um drei Uhr der Wecker klingelt sind wir alle wach. Spätestens die Ringtail-Cat, die mal wieder auf unseren Rucksäcken sitzt nimmt uns die letzte Müdigkeit. Johannes ist schon länger wach und hat schon seine Blase präpariert. Mit neuem Pflaster ist der Druck in den Wanderschuhen auszuhalten und da es heute ja fast nur bergauf geht, will er es so versuchen.
Wir frühstücken, bauen das Zelt ab und packen. Um 4:20 sind wir unterwegs und beginnen den Aufstieg aus dem Grand Canyon. Im Dunkeln folgen wir dem Bright Angel Trail, erst entlang des Colorado, dann entlang des Indian Garden Creek. Vor uns liegen gut 9 Meilen und 1500 Höhenmeter. Natürlich sehen wir so gut wie keinen Menschen, und es herrscht eine gespenstisch schöne Stimmung inmitten des inner Canyons. Nach einer Stunde machen wir unsere erste Pause, und nach dieser können wir die Lampen einpacken, da die Dämmerung weit genug fortgeschritten ist.
Wir gehen unseren Weg weiter und machen ca. alle 60 Minuten eine kurze Pause um die Füße hoch zu legen. Jens zwingt sich häufiger als gestern, einen Powerbar zu essen, damit er bei Kräften bleibt. Als wir den Indian Garden Campground erreichen haben wir zwar die halbe Strecke hinter uns, vor uns liegen allerdings noch ca. 1000 Höhenmeter. Johannes hat etwas Probleme mit seinem Magen und sucht die Kompost-Toiletten auf.
Bisher waren wir die gesamte Strecke im Schatten gelaufen, nun kommt immer mal wieder die Sonne raus, jedoch überwiegen nach wie vor die schattigen Abschnitte. Das sollte zum Glück bis zur Rim so bleiben. Kurz nach Indian Garden stehen wir vor einer endlos hohen Wand, an der sich der Weg serpentinenförmig empor schlängelt. Die Höhe ist schwer einschätzbar, wir glauben nicht, dass der jetzt sichtbare obere Rand schon die South Rim ist. Im Gegenteil, wir erwarten, die Wand in gut einer Stunde bewältigt zu haben und dann vielleicht die South Rim zu sehen.
Je länger wir allerdings die Serpentinen hinaufsteigen, desto mehr glauben und hoffen wir, dass wir unser Ziel vor Augen haben. Am 3 Mile Resthouse machen wir eine längere Pause um unsere Flaschen zu füllen. Jetzt wissen wir sicher, dass wir oben an der Kante die South Rim sehen. Das motiviert zwar ungemein, dennoch müssen wir noch einige kurze Pausen einlegen. Wir arbeiten sehr stark mit den Wanderstöcken, insbesondere Jens hat unter dem hohen Gewicht des Rucksackes schwer zu leiden. Das waren noch Zeiten, als wir jung und fit waren…
Überglücklich und völlig fertig erreichen wir drei schließlich die South Rim. Unseren Hunger stillen wir in erster Linie mit Hot Dogs, da es leider nichts Vernünftiges zu geben scheint. Jens liegen seine fünf Hotdogs danach etwas schwer im Magen, aber sie bleiben souverän drin. Wir machen uns auf der Toilette etwas frisch, und checken dann für das Transcanyon-Shuttle ein.
Für 65$ p.P. werden wir zurück zu unserem Auto am Trailhead an der North Rim gefahren. Wir machen zwischendurch zwei Pausen, an denen wir uns die Beine vertreten, und Coke kaufen können. Wir sind richtig platt, und können uns nur bedingt bewegen. Jens’ Waden fühlen sich an wie Backsteine. Am Trailhead angekommen schmeißen wir unsere Rucksäcke ins Auto und fahren erstmal duschen. Wir kaufen dann Feuerholz und ein paar Sandwiches, bauen das Zelt auf und machen ein Lagerfeuer.
Johannes kauft sich eine kleine Flasche Kalifornischen Wein, die aber nicht sonderlich lecker ist. Der gemütliche Abend wird durch ein aufziehendes Gewitter gestört. Dunkle Wolken ziehen auf, und immer häufiger und immer näher sind Donner zu hören. Als es schließlich gegen 20 Uhr anfängt zu regnen, gehen wir uns Zelt, wir sind ja schließlich schon seit über 17 Stunden auf den Beinen. Bevor wir richtig einschlafen können ist das Gewitter genau über uns. Der Regen prasselt auf das Aussenzelt, die Blitze leuchten das ganze Innenzelt aus. Das Einschlafen wird immer schwieriger, im Halbschlaf merkt Jens irgendwann, dass Feuchtigkeit ins Zelt eindringt und sich am Kopfende seiner Isomatte sammelt. Der Schlaf wird immer wieder durch heftige Donnerschläge gestört, tief schlafen wird diese Nacht wohl niemand.
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